Der befreite Knoten

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Ein Plädoyer für beherzte Männerhälse

Bei einer Recherche über den Herrenanzug stolpert man unweigerlich auch über die dazugehörigen Details, zum Beispiel die Krawatte. Mir ging es erst kürzlich so, als ich Google nach Anzügen durchpflügte, dass ich mich plötzlich in einer Welt voller Krawatten bewegte und sich völlig ungeahnte Dimensionen öffneten. Diese ca. 60 x 5 cm minimaler männlicher Gestaltungsfreiraum macht es möglich ganze Romane zu füllen. Aber es waren nicht die Muster und Farben, die mich überraschten, sondern die vielen verschiedenen Arten, die Krawatte zu binden. War es in den 1950er Jahren noch die treu sorgende Ehefrau, die den Knoten zurechtmachte, hat der Mann heute alle Hände voll zu tun, ihn sich selbst zu binden. Doch das scheint den ein oder anderen von ihnen zu beflügeln.  Ich war stets der Überzeugung, es gäbe maximal zwei Arten zu knoten: mit einem doppelten Knoten oder ganz simpel gewickelt. Nun wurde ich schwarz auf weiß, oder besser ausgedrückt Pixel neben Pixel eines besseren belehrt. Der doppelte Knoten nennt sich “Windsor Knot” und scheint einer der gängigsten Knoten zu sein. Er zeichnet sich durch seine breite Form aus, durch seine Unnachgibigkeit und seinen geraden Sitz. Der gewickelte Knoten, von dem ich immer dachte, dass ich ihn selbst erfunden hätte, weil ich stets zu faul war nachzuschauen, wie man eine Krawatte bindet, nennt sich “Victoria Knot”. Er sitzt nicht besonders fest, lockert sich ständig und hat noch dazu eine leichte Schlagseite. Aber beide Techniken haben gemein, das sich eine gerade Schlaufe über den eigentlichen Knoten legt und das Wirrwarr dahinter verbirgt. Ich glaubte, diese Schleife wäre eine Instanz die unumstößlich wäre. Doch ich habe mich getäuscht. Bei meiner Recherche begegneten mir Knoten in verschiedensten Formen Tulpen, Räder, Schlingen und sogar Artischockenherzen waren dabei. Mir schien, das sich genau zwischen den beiden Seiten des Hemdkragens ein kleines Universum der männlichen Selbstverwirklichung verbirgt, die manch hartgesotten rationalen Mann im klassischen Outfit im wahrsten Sinne waghalsig werden lässt.

Ich frage mich, wieso mir diese Vielfalt bisher noch nicht ins Auge gefallen ist. Die einfachste Erklärung wird sein, ich lebe nicht in Großbritannien und niemand in meiner Gegenwart zelebriert den Anzug auf besondere Weise, geschweige denn, die Krawatte. Hier ist sie ein vergleichsweise fader Gegenstand, den man seid Neuestem lieber weglässt zu Gunsten eines unmöglichen Looks mit aufgeknöpftem Hemd. Dieser Stil den man den Gerüchten nach den jungen Start Up Unternehmern nachahmt um jung und dynamischen zu wirken, hat auf mich eher die Wirkung eines halbstarken Gigolos oder eines traurigen Mannes in der Blüte seiner Midlife Crisis. Im Staatsdienst dagegen zeigt Mann sich gern ganz konform mit einem, die eigenen Amtshandlungen unterstreichenden Windsor Knot, der vor Rationalität strotzt, jedem garantiert nicht ins Auge sticht und daher einfach keine – weder gute noch schlechte – Reaktion hervorruft.

Nach dieser Recherche steht meine Meinung allerdings fest: Ein Mann im Anzug sollte einen Schlips tragen und den zu knoten ist keine Nebensache sondern ein Statement. Ich fordere daher mehr beherzte Hälse, geschlossen bis zum letzten Knopf und mit einem formvollendeten Artischockenherz in der Krawatte, dem “Eldredge Tie Knot”.

Von der Savile Row zum Rana Plaza

Wie der Staat versucht die Lücke zwischen Design im Inland und Herstellung im Ausland zu schließen.

http://www.alexandru-remus.ro/en/savile-row/
http://www.alexandru-remus.ro/en/savile-row/

Wie das Magazin Textil Wirtschaft jüngst verkündete, hat der Beruf der Modenäherin/-schneiderin in der letzten Dekade einen gewaltigen Mangel an Berufseinsteigern einbüßen müssen. In den letzten Jahren schrumpfte die Zahl der Neueinsteiger um gut zwei Drittel. Dies ist alarmierend und kurios, ist doch die Textilindustrie in Deutschland ein starker Zweig. So muss man sich Fragen warum eine Branche “händeringend nach Fachkräften sucht” die zur Herstellung unerlässlich sind, dabei aber ohne Unterlass in großem Maßstab produzieren und verkaufen kann. Die Antwort lautet, das die Herstellung schon längst nicht mehr in der Hand deutscher Fachkräfte liegt, sondern ins Ausland verlegt wurde. Die Näher dort sind meist weniger gut ausgebildet, dafür aber günstiger und müssen nicht voll bezahlt werden, da Fremdfirmen ihre Anstellung übernehmen. So spart die Branche zwar Geld, büßt aber die Kontrolle über die Qualität der Produkte ein. Um diesem Dilemma entgegen zu wirken wurde eine Modernisierung des Berufs der/des Modenähers/näherin mit Schwerpunkt auf Planung und Management vorgenommen.
Das erlernen industrieller Produktionsweisen wird in den Hintergrund gestellt. Statt dessen sollen die Auszubildenden sich auf Musterfertigung, Schnittechnik, Qualitätssicherung und Logistik fokussieren. Sie lernen das Handwerk nur noch sporadisch und werden statt dessen auf direktem Wege zu “Produktionsleitern” erhoben in sogenannte “Systemkopf-Funktionen”. Auch die Fächer in “betrieblicher Kommunikation” und “traditionellen Geschäftsbeziehungen” sind Ausdruck dafür, dass es nun in dem Beruf um weit mehr geht, als reine handwerkliche Herstellung. Im Grunde muss das Bundesinstitut für Berufsbildung in Bonn (BIBB) einen neuen Beruf erfinden, der die Lücke zwischen Unternehmen und ausländischer Produktion schließen kann.
Doch man scheut sich das Kind beim Namen zu nennen: Der Schneider ist Tot, es lebe der Textilproduktionsmanager! Selbst in der altehrwürdigen Savile Row geht kaum noch jemand in die Schneiderlehre, statt dessen möchte man die letzten Modenäher/innen Richtung Rana Plaza schicken, um den Heerscharen schlecht ausgebildeter Fachkräfte im Ausland auf die Finger zu schauen. Doch die meisten bleiben lieber hier und studieren im Anschluss an die Ausbildung Modedesign.
Um es mit Ogburn hier auf den Punkt zu bringen: Die Modeindustrie hat einen “Cultural Lag” erlitten. Die institutionellen Berufsbilder, die gelehrt werden entsprechen längst nicht mehr den Produktionsweisen. Die Modenäher/innen lernten noch die industrielle Fertigung der Stücke um in Fabriken in die serielle Produktion einzusteigen. Mit der Auslagerung der Produktion zu Fremdfirmen im Ausland werden diese Kenntnisse hinfällig. Es muss ein neues Berufsbild geformt werden und ein altes abgeschafft. Doch das Alte will nicht einfach weichen. Um den Abschiedsschmerz zu ersparen wird es kurzerhand umbenannt und mit neuen Inhalten wiederbelebt. Und siehe da: Der/die Textil- Modenäher/in erblickt das Licht der Welt, dazu gemacht mit Nadel und Faden die Kontrolle über die Qualität der Produkte wieder herzustellen. Einer der Schwachpunkte liegt wohl in der Organisation der Ausbildungen an sich. Da der Staat die Organisation und Förderung der Ausbildung übernimmt und über die Inhalte verfügt, die dazu gehören, ist die Reaktion auf ein schnell wandelndes Wirtschaftsumfeld recht träge. Während die Auslagerung der Produktion schon in den 70er Jahren durch verschiedenen Importregelungen begann, wurde seid dem Jahr 1997 keine Anpassung durch das BIBB vorgenommen. Einzelne Betriebe hatten zwar die Möglichkeit ihre Lehrlinge auf die veränderten Bedingungen vorzubereiten, aber dies geschah außerhalb vom Ausbildungscurriculum. Nun sind die neuen Lehrinhalte bis 2020 festgeklopft, dann wird erneut evaluiert.
Ob sich damit allerdings die Zahlen der Berufseinsteiger ändert bleibt fraglich. Denn antworten darauf, warum so wenige in den letzten Jahren diesen Beruf ergriffen haben, gibt es nicht. Wage Vermutungen lauten, dass wohl die Produktion im Ausland daran Schuld sei. Aber die wird mit einem aufgepeppten Lehrinhalt nicht enden, im Gegenteil werden die Aufgaben der Textil- und Modenäherinnen noch stärker im Ausland angesiedelt. Und welchem jungen Berufseinsteiger wird die Vorstellung schon gefallen sich in der Hauptsache mit schlechten Produktionsbedingungen auseinanderzusetzen, die es nicht zu verbessern, sondern effizienter auszubeuten gilt.

Normcore and the Internet

Normcore at Prada's Milan show and Larry David, rated as the embodiment of the normcore aesthetic.
http://www.theguardian.com/fashion/2014/dec/17/normcore-spoof-marketing-term-fashion-phenomenon

Yesterday I found that article in the I-D magazine. It says that the Internet let the youth extend new subcultures and break with the old traditions to shock the world with disobedience and inadequate behavior, instead coming together to enjoy conservatism and standardisation, trying to overcome individualisation and express the unwillingness to be different The New York magazine published an article with a header saying “Normcore: For Those Who Realize They’re One in 7 Billion”.

I just don’t think its a new phenomenon. I think it’s the ancient game of movement and countermovement, but more contingent with the internet as a communication platform.

Read the article here.

Diana Vreeland

vreeland1_t500x535The Eye Has To Travel

I was always mad about clothes. You don’t get born in Paris and forget about clothes for five minutes. Diana Vreeland

The event takes Place in the Galleries Lafayette in Berlin. A small mall with a big glasssculpture inside, looking like a big cone. All is well structured and along the cone the clothrails loop around. Inside the cone, a big modell of the Eiffeltower. This mall makes it unambigous, that it belongs to the Galleries Lafayette in Paris, promising the same glamour and luxury. But this Evening belongs to a special Person and the little Eiffeltower is watching, because she is a born Parisian. A Celebration for an Icon of fashion. A women who commit herself to Fashion. Diana Vreeland, the women who invented the profession of the fashioneditor and usher a new era of fashionjournalism. Continue reading

Coco Chanel im MKG-Hamburg

Coco Chanel ist sicherlich eine der beeindruckendsten Modedesignerinnen des 20. Jahrhunderts. Einige ihrer zeitlosen und klassischen Entwürfe kann man nun in einer Ausstellung im Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg bewundern.

Nie ohne meine Perlen
Nie ohne meine Perlen

Eindrucksvoll daran ist der enorme Einfluss den ihre Kreationen nach wie vor auch auf die Mode unserer Zeit nimmt, am Beispiel des kleinen Schwarzen oder am Chanel Kostüm das in vielen Variationen ausgestellt wird. Sehenswert für jeden, dem die Mode der 20er immernoch den Atem raubt und der seine Augen an Wollkostümen mit Perlenkette weiden kann. Eine Ideale Ergänzung dazu bietet die kleine aber feine Nebenausstellung der Mode von 1900 bis in die Zeit kurz nach dem zweiten Weltkrieg in denen Textilien, Schnitte, Schuhe, Handtaschen und Flakons erzählen wie sich der Wandel der Mode vollzieht und wie er am Beispiel einiger Schuhmodelle auch heutzutage noch gerne wieder aufgegriffen wird.

Inside Out – Mode oder Kunstobjekt?

Man stelle sich einen Raum vor, etwas verwinkelt, weiße Wände, quadratische Säulen, und Glastüren die zu den Treppenaufgängen zu beiden Seiten führen, Holzboden. Ein klassischer Ausstellungsraum. Nichts, was das Auge von dem ablenkt, was hier exponiert wird. Inside out, Einblicke in die Mode heißt das Thema dieser Ausstellung im Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg. In welche Mode? Kann man Mode Ausstellen? Kann man sie Ausstellen wenn sie einer vergangenen Saison angehörte? Und ist das, was dort hängt überhaupt Mode geworden, oder doch bloß reine Kunst aus Textilien am Körper? Damit setzt sich die Ausstellung leider nicht auseinander, nichtsdestotrotz eine sehenswerte Sache und inspirierend allemal.

Historische Modelle geben außerdem einen Einblick in die Wechselwirkungen von Innovationen, Wiederholungen und Zitaten in der Geschichte der Mode und zeigen, wie sich Designer mit Vorhandenem auseinandersetzen. (mkg-hamburg.de)

Bei einigen Modellen ist die Auseinandersetzung mit dem Vorhandenen und Historischem offensichtlich, wie dem Anzug von Galliano mit Magritte-Einfluß, bei anderem wiederum wird die Auseinandersetzung mit dem Körper oder den verwendeten Materialien deutlich.

Ausstellung MKG.Hamburg
Ausstellung MKG.Hamburg

Wie beim Woodendress von Yohji Yamamoto und dem Snakedress von Iris van Herpen. Dennoch wäre es wünschenswert, die kulturelle Auseinandersetzung mit Zitaten aus Kunst, Umwelt und Historie deutlicher zu gestalten. Auch der Einfluss dieser Entwürfe wäre interessant zu beleuchten. Vielleicht eine Idee für kommende Inszenierungen. Mehr querverweise für hungrige Modesoziologen und andere die wissen wollen was dahinter steckt. Also mal so richtig Inside Out und nicht bloß von Außendrauf!